„Kritische Infrastruktur braucht mehr als einen Zaun“
Interview mit Michael Heiland, Prokurist, FELIX Sicherheitstechnik GmbH
Herr Heiland, beim Begriff kritische Infrastruktur denken viele Menschen zuerst an große Kraftwerke oder Flughäfen. Ist das zu kurz gedacht?
Ja, deutlich zu kurz. Kritische Infrastruktur beginnt nicht erst dort, wo riesige Anlagen stehen oder täglich tausende Menschen unterwegs sind. Sie steckt oft in Einrichtungen, an denen man im Alltag achtlos vorbeifährt: Umspannwerke, Wasserwerke, Pumpstationen, Verteilerknoten, Datenleitungen, Technikräume oder Funkstandorte. Wenn dort etwas ausfällt, merken es viele erst, wenn das Licht ausgeht, wie neulich in Reutlingen, oder wenn kein Wasser mehr kommt oder wenn Telefon und Internet nicht mehr richtig funktionieren. Genau deshalb ist der Schutz solcher Anlagen so wichtig. Sie halten unser öffentliches Leben im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen.
Hat sich die Bedrohungslage in den vergangenen Jahren verändert?
Ja, ganz eindeutig. Wir sehen, dass Infrastruktureinrichtungen stärker in den Fokus geraten. Das betrifft Sabotage, Vandalismus, Einbruch, Brandstiftung oder gezielte Manipulation. Nicht jeder Vorfall ist spektakulär, aber die Wirkung kann enorm sein. Ein beschädigtes Kabel, eine manipulierte Tür, ein Brand in einem Technikbereich oder ein unbefugter Zugang zu Steuerungskomponenten kann weitreichende Folgen haben. Kritische Infrastruktur ist heute kein abstraktes Thema mehr. Sie ist ein reales Sicherheitsfeld, mit dem sich Betreiber und Unternehmensentscheider aktiv beschäftigen müssen.
Viele Unternehmen investieren vor allem in IT-Sicherheit. Reicht das nicht aus?
IT-Sicherheit ist unverzichtbar, aber nur ein Teil der Lösung. Schließlich hat jede digitale Infrastruktur eine physische Grundlage. Server stehen in Gebäuden, Steuerungen befinden sich in Schaltschränken, Daten laufen durch Kabeltrassen, Energie wird über technische Anlagen verteilt. Wer physischen Zugriff bekommt, kann mit einfachen Mitteln erheblichen Schaden anrichten. Deshalb müssen Cybersecurity und physische Sicherheit zusammen gedacht werden. Ein gut geschütztes Netzwerk hilft wenig, wenn jemand unbemerkt auf ein Gelände gelangt und dort Technik beschädigt.
Was kann passieren, wenn der Schutz vernachlässigt wird?
Die Folgen können sehr unterschiedlich sein, aber sie sind fast immer teuer. Es geht nicht nur um die Reparatur einer Tür, eines Zauns oder eines beschädigten Bauteils. Entscheidend sind die Folgekosten: Betriebsunterbrechungen, Produktionsausfälle, Notfallmaßnahmen, Ersatztechnik, Vertragsstrafen, zusätzliche Personalkosten und nicht zuletzt ein erheblicher Reputationsschaden. Wenn ein Wasserwerk ausfällt, eine Stromversorgung gestört ist oder Datenverbindungen unterbrochen werden, betrifft das nicht nur den Betreiber. Dann stehen im schlimmsten Fall auch Unternehmen, Verwaltungen, Verkehr, Gesundheitsversorgung oder private Haushalte unter Druck. Aus einem technischen Schaden kann sehr schnell ein gesellschaftliches Problem werden.
Wie gehen Sie mit FELIX Sicherheitstechnik ein solches Projekt an?
Wir beginnen nicht mit der Technik, sondern mit der Frage: Was muss hier eigentlich geschützt werden und warum? Jede Anlage ist anders. Ein Umspannwerk am Stadtrand hat andere Risiken als ein Wasserwerk, ein Rechenzentrum oder ein Verteilerstandort im ländlichen Raum. Deshalb analysieren wir zunächst die sensiblen Bereiche, mögliche Angriffspunkte, Zugangswege, Betriebsabläufe und Reaktionsketten. Erst daraus entsteht ein sinnvolles Sicherheitskonzept. Technik darf kein Selbstzweck sein. Sie muss zum Standort, zum Risiko und zum Betreiber passen.
Welche Lösungen kommen dabei zum Einsatz?
Das hängt vom Objekt ab. Typische Bausteine sind elektronische Einbruchmeldetechnik, Videoüberwachung mit intelligenter Analyse, Zutrittskontrolle, Tür- und Torüberwachung, Perimeterschutz, Brandfrüherkennung und die Aufschaltung auf eine Leitstelle. Wichtig ist die Verbindung dieser Systeme. Eine Kamera allein ist noch kein Sicherheitskonzept. Entscheidend ist, dass ein Vorfall früh erkannt, zuverlässig bewertet und schnell weitergeleitet wird. Nur dann kann rechtzeitig reagiert werden: durch eigenes Personal, einen Sicherheitsdienst, die Polizei oder einen technischen Notdienst.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Nehmen wir ein abgelegenes Umspannwerk. Dort sollte ein Eindringversuch nicht erst auffallen, wenn Technik bereits beschädigt worden ist. Ein überwachter Zaun kann melden, wenn sich jemand daran zu schaffen macht oder wenn jemand darüberklettern will. Kameras prüfen die Lage, eine Zutrittskontrolle dokumentiert, wer berechtigt vor Ort ist, und die Leitstelle erhält eine qualifizierte Alarmmeldung. So entsteht ein Sicherheitsprozess: erkennen, prüfen, alarmieren, handeln. Gerade bei kritischer Infrastruktur können wenige Minuten einen großen Unterschied machen.
Welche Bedeutung hat das KRITIS-Dachgesetz für Betreiber?
Das KRITIS-Dachgesetz zeigt klar, dass Resilienz und physischer Schutz politisch und wirtschaftlich an Bedeutung gewonnen haben. Betreiber kritischer Anlagen müssen Risiken systematischer betrachten, Maßnahmen ableiten und Sicherheitsvorfälle melden. Für viele Unternehmen bedeutet das, dass sie ihre bestehenden Konzepte überprüfen und besser dokumentieren müssen. Das Gesetz ist aber nicht nur Pflichtprogramm. Es ist auch ein Anstoß, Sicherheit strategischer zu denken. Wer jetzt investiert, reduziert Risiken, schafft Nachweise und erhöht die eigene Betriebsfähigkeit.
Was raten Sie Unternehmensentscheidern, die das Thema bisher eher aufgeschoben haben?
Nicht warten, bis etwas passiert ist. Denn Sicherheit wird nach einem Schaden meistens teurer, hektischer und unangenehmer. Entscheider sollten sich fragen: Welche Anlagen sind für unseren Betrieb unverzichtbar? Wie lange könnten wir einen Ausfall verkraften? Wer darf auf das Gelände? Wie wird ein Alarm bewertet? Wer reagiert nachts, am Wochenende oder an Feiertagen? Diese Fragen sind unbequem, aber notwendig. Kritische Infrastruktur braucht ein Schutzniveau, das ihrer Bedeutung entspricht.
Ihr Fazit?
Der Schutz kritischer Infrastruktur ist kein Randthema für Spezialisten. Er betrifft die Stabilität unseres öffentlichen Lebens und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Unternehmen. Moderne elektronische Sicherheitstechnik kann Angriffe nicht vollständig verhindern, aber sie kann Risiken deutlich senken, Täter abschrecken, Vorfälle früh sichtbar machen und Schäden begrenzen. Genau darum geht es: vorbereitet sein, bevor aus einer Schwachstelle ein Ausfall wird.
Gerne prüfen wir Ihre Situation in Bezug auf KRITIS-relevante Aspekte und sagen Ihnen, welche Maßnahmen bei Ihnen sinnvoll sind. Schreiben Sie dazu einfach eine E-Mail an kritis@felix-sicherheit.de und wir kommen auf Sie zu.
Wir unterstützen bei der Planung, Realisierung und dokumentationsfähigen Ausführung der technischen Maßnahmen. Wir erbringen keine Rechtsberatung.
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